Ökumenische Gedenkfeier am Kaderbaunberg
Der Kaderbaunberg liegt am Rand des Hauptlagers der Bauernkämpfer in der Weiberau. Dabei handelte es sich um eine Gemeinweide unweit der Grenze zu Bayern, die von den Bauern als Versammlungs‑ und Ausbildungsort für Strategie und Kampf genutzt wurde. Es ist ein geschichtsträchtiger Ort, dessen Ausdehnung laut Überlieferungen rund 200 Joch betrug. In Zeiten der größten Belegung sollen sich hier bis zu 20.000 Mann aus ganz Oberösterreich aufgehalten haben.
Am Kaderbaunberg selbst wurde nie gekämpft. Allerdings befand sich hier eine Richtstätte, die sowohl von den Aufständischen als auch von den Habsburgern zur Abschreckung genutzt wurde.
Die Ursachen des Aufstands waren vielfältig. Eine zentrale Rolle spielte die von Kaiser Ferdinand II. vorangetriebene Gegenreformation, durch die der überwiegend evangelischen Bevölkerung ihre Religion untersagt wurde. Hinzu kamen eine sogenannte „kleine Eiszeit“ an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert mit schweren Missernten und Hungersnöten sowie eine durch den Dreißigjährigen Krieg ausgelöste Wirtschaftskrise mit starker Geldentwertung. Besonders empörte viele Bauern die Verpfändung Oberösterreichs an den verhassten bayerischen Kurfürsten Maximilian I., um leere Kriegskassen zu füllen.
Trotz des letztlich verlorenen Krieges beeindruckt bis heute der Mut der Bauern, sich gemeinsam gegen als ungerecht empfundene Zustände zu erheben. Der Bauernkrieg von 1626 forderte einen hohen Blutzoll und bedeutet die höchste Zahl an Kriegsopfern in Oberösterreich gemessen an der damaligen Gesamtbevölkerung.
Gerade deshalb ist es auch heute wichtig, im Dialog der Begegnung, im Zuhören und in der Gewaltfreiheit füreinander einzutreten und Ungerechtigkeiten entgegenzutreten. Ziel der Ökumene ist die weltweite Einheit der Christinnen und Christen. Vor diesem Hintergrund wurde für das Gedenken an die sehr traurigen Ereignisse des Jahres 1626 bewusst eine ökumenische Gedenkfeier gewählt, um sich heute und in Zukunft gemeinsam für demokratische Werte, Religionsfreiheit und Menschenrechte einzusetzen.
Ergänzend zu dieser Gedenktafel wurden vier Stieleichen als Friedensbäume gepflanzt und gesegnet. Sie erinnern an den Wert des Friedens und sind Teil des Projekts von Stefan Mittlböck‑Jungwirth‑Foringer, im Gedenkjahr insgesamt 400 Stieleichen in Oberösterreich zu pflanzen – als lebendiges Zeichen der Erinnerung an 400 Jahre Oberösterreichischer Bauernkrieg.
Wir gedenken aller Opfer des Bauernkriegs von 1626 und sehen dieses Erinnern zugleich als Mahnung, unsere demokratischen Werte bewusst wahrzunehmen, zu bewahren und auch in Zukunft zu schützen.
Andreas Stahrl